News & Artikel

Pflegeausbildung ohne Grenzen: „Na klar gehen wir“

In der Pflegeausbildung ins Ausland zu gehen, ist nicht immer einfach. Dass es dennoch geht und für alle Seiten bereichernd ist, wenn Pflegeazubis den Berufsalltag in einem anderen Land erproben, zeigen Pilotprojekte, wie die Kooperation zwischen den Bethesda Alterszentren in Basel und dem Herzzentrum in Bad Krozingen.

Für Zafa und Carina, Auszubildende im dritten Lehrjahr des Ausbildungsgangs Fachmann/-frau Gesundheit (FaGe), die vor genau einem Jahr ein Praktikum in Bad Krozingen absolviert haben, steht fest: Sie möchten die Erfahrung nicht missen. Die beiden sind zu Beginn des zweiten Lehrjahres von der Berufsbildungsverantwortlichen in ihrem Betrieb über das Euregio-Zertifikat informiert worden und haben schnell die Entscheidung getroffen, an dem zweimonatigen Austauschprogramm teilzunehmen. Besonders interessant war dabei für die jungen Auszubildenden die Perspektive, einmal in einen anderen Bereich der Pflege hinein zu schnuppern und das medizinische Fachwissen praktisch zu vertiefen.

So sammeln Zafa und Carina in ihrer Ausbildung in den Bethesda Alterszentren in Basel vor allem Erfahrungen in der Langzeitpflege – da ist es spannend, auch einmal in der Akutpflege zu arbeiten – gerade weil die FaGe-Ausbildung für einen breiten Aufgabenbereich qualifiziert und dabei Fähigkeiten erworben werden, die im Berufsalltag nicht immer zur Anwendung kommen. Dazu zählt zum Beispiel die Blutabnahme, die Zafa und Carina während ihres Praktikums in Bad Krozingen eigenständig durchführen konnten, die jedoch im Basler Altenheim von Ärzten übernommen wird.

In ihrer Zeit im Herzzentrum waren die Austauschpraktikanten aus Basel fest in einer Station integriert und durften darüber hinaus überall mitlaufen, was ihnen beispielweise ermöglichte, an OPs teilzunehmen oder die Arbeit in der Anästhesie kennenzulernen. Doch die beiden Auszubildenden konnten nicht nur viel Neues dazu lernen, sondern auch den Klinikalltag in Bad Krozingen mit ihrem Know-how aus der Altenpflege bereichern: Dabei kam ihnen zu Gute, dass sie Routine haben mit Patientengruppen wie Demenzkranken, die für das Pflegepersonal in Bad Krozingen nicht alltäglich sind und eine besondere Behandlung benötigen.

Oft wurde auch auf der Arbeit darüber gesprochen, wie unterschiedlich die Pflege im Nachbarland organisiert ist. Hierzu wurden die Baselerinnen besonders von deutschen Auszubildenden ausgefragt, die Einiges über das Berufsbild Pflege in der Schweiz wissen wollten. Aus der Sicht der Auszubildenden aus der Schweiz gibt es im deutschen Klinikalltag zum Beispiel viel weniger feste Regeln als in ihrer Ausbildungseinrichtung: „Ich war am Anfang erstaunt, dass es keine festen Pausenzeiten gibt. Das ist bei uns viel strenger geregelt. Im Praktikum haben sich dagegen Pausenzeiten oft nach den Patienten gerichtet und manchmal sind auch während dem Essen noch Telefonate geführt worden“, bemerkte Carina.

Für Zafa bestand die Schwierigkeit am Anfang eher darin, die vielen Abkürzungen im Krankenhausbetrieb zu entziffern, da es in Deutschland eine andere Fachsprache gibt. Eine Sprachbarriere gab es ansonsten nicht, berichtete Carina. Die Deutschen waren sogar erstaunt, dass wir Schweizer Hochdeutsch sprechen und wollten wissen, wie bestimmte Ausdrücke auf Schweizerdeutsch heißen.

Dank der vielen neuen Kontakte und Erfahrungen ziehen die beide ein sehr positives Fazit von ihrem Auslandsaufenthalt, auch wenn es durch das Pendeln zur Berufsschule und den überbetrieblichen Kursen nach Basel manchmal etwas stressige Momente gab: „Für mich war es definitiv das Highlight meiner Ausbildung“, sagt Zafa und fügt hinzu: „Man lernt nur hinzu. Ich würde jedem empfehlen daran teilzunehmen und bei Bewerbungen ist das Zertifikat natürlich auch ein Pluspunkt. “

Das Projekt Euregio-Zertifikat ermöglicht Auszubildenden bzw. Berufsschüler/innen bereits während ihrer Ausbildung ein Praktikum (in der Regel von 4 Wochen) in einem Unternehmen eines anderen Landes im trinationalen Oberrheingebiet zu absolvieren (in allen Branchen). Unternehmen können mit einem kleinen Schritt ihre Auszubildenden grenzüberschreitend qualifizieren. Mehr Informationen über das Zertifikat

Wenn Sie mehr über die Bildungsgänge in der Pflege erfahren möchten, lesen Sie hier die von der deutsch-französisch-schweizerischen Oberrheinkonferenz und dem Euro-Institut veröffentlichte Studie zum Fachkräftemangel im Gesundheitswesen am Oberrhein.

Zurück