News & Artikel

PAMINA Gesundheitsversorgung: Ein Projekt, das die Grenze für Fachkräfte durchlässig macht

Ein Beitrag von Niels Herbst, Referent - Koordination für das INTERREG-Projekt „PAMINA Gesundheitsversorgung”

Seit dem 01.01.2019 führt der Eurodistrikt PAMINA ein INTERREG V A-Projekt durch, mit dem das Gesundheitsangebot auf dem Gebiet des Eurodistrikts verbessert werden soll. Das Projekt vereint 22 Partner, darunter die wichtigsten Krankenhäuser, die für das Gesundheitswesen zuständigen Institutionen sowie die Gebietskörperschaften jedes Teilgebiets. Es umfasst zwei Achsen, wobei sich eine auf die hausärztliche Medizin und die andere auf die Krankenhausmedizin bezieht. In diesem Rahmen wurde in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen ALCIMED eine Machbarkeitsstudie über die mögliche Umsetzung eines grenzüberschreitenden Gesundheitszentrums und den Abschluss von Vereinbarungen zwischen den Krankenhäusern im PAMINA-Raum durchgeführt. Diese Studie ging mit einer Bürgerbefragung einher, welche die Einstellung der Bevölkerung zu einer Weiterentwicklung des grenzüberschreitenden Gesundheitsangebots darstellen sollte.
 

Vereinbarungen zwischen Krankenhäusern zur Weiterentwicklung des Gesundheitsangebots im PAMINA-Raum

Die Krankenhäuser von Landau (Klinikum SÜW) und Wissembourg (CHIL) stehen im Zentrum der Bemühungen. Für das CHIL geht es um einen institutionalisierten grenzüberschreitenden Betrieb der Entbindungsstation. Durch die Unterzeichnung eines Abkommens mit den deutschen Krankenkassen in Rheinland-Pfalz soll die Aufnahme von deutschen Patientinnen geregelt werden. Für das Klinikum SÜW geht es um die grenzüberschreitende Öffnung der Abteilung für konservative Orthopädie für französischen Patientinnen und Patienten. Die anderen Partnerkrankenhäuser des Projekts, das Klinikum Mittelbaden, das Centre Hospitalier de Haguenau sowie das Städtische Klinikum Karlsruhe, begannen Gespräche über Kooperationsmöglichkeiten, die zu weiteren Vereinbarungen zwischen den Krankenhäusern führen können.
 

Ein grenzüberschreitendes Gesundheitszentrum als Lösung für die Herausforderungen der medizinischen Demografie

Sowohl das deutsche als auch das französische Teilgebiet sehen sich auf dem Gebiet der ambulanten Medizin mit bedeutenden Herausforderungen angesichts der medizinischen Demografie konfrontiert. Um geeignete Antworten finden zu können, müssen die gemeinsamen Bedürfnisse und Visionen erkannt und weiterentwickelt werden. Die Interviews mit ärztlichen Fachkräften und Akteuren des Gesundheitssektors, Dokumentenrecherchen und eine ergänzende juristische Analyse wiesen auf die Umsetzung eines grenzüberschreitenden Gesundheitszentrums als geeignetste Lösung für die Probleme des Gebiets.

Der größte Bedarf besteht bei der Allgemeinmedizin. In den Interviews wurde deutlich, dass junge Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland und Frankreich an einer abhängigen Beschäftigung in einem Gesundheitszentrum interessiert sind, wodurch sie sich insbesondere eine bessere Work-Life-Balance und geringere finanzielle Risiken erhoffen. Die Bürgerbefragung zeigte, dass etwa 90 % der Befragten aller Teilgebiete es sich vorstellen können, ein grenzüberschreitendes Gesundheitszentrum aufzusuchen. Die wichtigsten Anreize waren die Möglichkeit einer besseren Versorgung sowie die Erhöhung des Angebots an Gesundheitsleistungen.

Auf Grundlage dieser Interviews und Befragungen müssen sich die nächsten Schritte auf die Kostenerstattungen, die Verbindungen des zukünftigen Angebots zu Gesundheitsprojekten auf beiden Seiten der Grenze sowie die genaue Funktionsweise der Einrichtung fokussieren. Das Projekt soll ein Modell für die deutsch-französische Zusammenarbeit im Gesundheitswesen darstellen und den Zugang zu Gesundheitsleistungen dank geeigneter und zweckdienlicher Instrumente stärken.
 

Anmerkung der Redaktion: Am 23. September 2022 präsentierten der Eurodistrikt PAMINA und die 22 deutschen und französischen Projektpartner die Ergebnisse ihrer vierjährigen Zusammenarbeit. Hier finden Sie die entsprechende Pressemitteilung des Eurodistrikts und hier einen Rückblick von INTERREG Oberrhein.

Der Europäische Verbund für territoriale Zusammenarbeit oder EVTZ Eurodistrikt PAMINA ist ein Instrument der Zusammenarbeit an der deutsch-französischen Grenze zwischen der PfAlz, dem MIttleren Oberrhein und dem Nord-Alsace (Nord-Elsass) mit dem Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu vereinfachen und zu fördern.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Mai 2022 in der TRISAN-Zeitschrift „Regards croisés – Perspektivenwechsel”. Hier finden Sie die komplette Ausgabe.

Zurück