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Zum Thema Pflege

Der Fachkräftemangel im Pflegebereich – eine gemeinsame Herausforderung am Oberrhein

So unterschiedlich die Gesundheitssysteme in Deutschland, Frankreich und der Schweiz auch sein mögen, sie alle sind mit den vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, die sich aus dem Mangel an Pflegefachkräften ergeben. Dieser kann verschiedene Ursachen haben: Dazu zählen etwa die demografische Entwicklung, die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen und fehlende Ausbildungsplätze. Aber auch die Wahrnehmung des Berufsfeldes in der Bevölkerung und die empfundene Attraktivität einer Karriere im Pflegebereich spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Gewinnung zukünftiger Auszubildender.
 

Die Attraktivität der Pflegeberufe – wie steigern?

Auch wenn sich die strukturellen Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten im Ausbildungsbereich je nach Land unterscheiden, kann sich ein Blick über die Grenze durchaus lohnen. Denn: Besonders in Grenzregionen können gemeinsame Herausforderungen auch zu gemeinsamen Lösungsansätzen führen. Dazu braucht es jedoch einen grenzüberschreitenden Dialog mit den verantwortlichen institutionellen Akteuren und Ausbildungsstätten.

Ein Forum für einen solchen Austausch bot das von TRISAN organisierte Online-Seminar „Die Attraktivität der Pflegeberufe – wie steigern?“ vom 8. Juni 2021, das im Rahmen des INTERREG-Projekts „Trinationaler Handlungsrahmen für eine grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung am Oberrhein“ veranstaltet wurde. Das Seminar erlaubte rund 50 Teilnehmenden aus den drei Ländern, verschiedene Strategien zur Anwerbung von Auszubildenden in den Berufsfeldern „Pflegefachmann/frau“ und „Pflegehelfer/in“ kennenzulernen.

Zu den Vortragenden zählten Vertreterinnen und Vertreter folgender Einrichtungen: des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz, der Koordinierungsstelle Pflegeberufe im Ortenaukreis, der Région Grand Est, des IFSI (Institut de Formation en Soins Infirmiers) in Straßburg und der schweizerischen Careum Hochschule und des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.
 

Die berufliche Mobilität von Gesundheitsfachkräften: gemeinsame Strategie statt Konkurrenzdenken?

Die Corona-Pandemie hat eindrücklich gezeigt, welche Bedeutung die grenzüberschreitende Mobilität für den Gesundheitssektor am Oberrhein besitzt. So sind beispielsweise viele Gesundheitseinrichtungen auf ihr im Nachbarland wohnendes Personal angewiesen. Damit der Betrieb auch in Pandemiezeiten weiterlaufen konnte, musste auf politischer Ebene rasch gehandelt und Sonderregelungen für diese Grenzgängerinnen und Grenzgänger hinsichtlich Einreisebestimmungen, Test- und Impfmöglichkeiten gefunden werden.

Aber auch unabhängig von solchen Krisensituationen ist der Fachkräftemangel am Oberrhein ein politisch brisantes Thema, da er in den verschiedenen Teilregionen in unterschiedlichem Ausmaß vorhanden ist. Um dem Mangel in der Grenzregion langfristig begegnen zu können, braucht es eine Kombination verschiedener Lösungsansätze. Dabei kann die Förderung der beruflichen Mobilität eine zentrale Rolle einnehmen, etwa im Rahmen grenzüberschreitender Ausbildungsprogramme.

Erfolgreiche grenzüberschreitende Projekte wie die gemeinsame Pflegeausbildung zwischen den SHG Kliniken Völklingen und dem IFSI in Saargemünd oder das Euregio Zertifikat zeigen bereits heute positive Effekte: die Auszubildenden lernen die Sprache des Nachbarn, gewinnen an Autonomie, entwickeln interkulturelle Kompetenzen und verbessern somit ihre Chancen auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt. Dies kommt nicht zuletzt auch der Versorgung derjenigen Patientinnen und Patienten zugute, die sich im Nachbarland behandeln lassen (müssen).
 

TRISANs Aktivitäten im Bereich der beruflichen Mobilität

Die berufliche Mobilität ist seit Gründung des trinationalen Kompetenzzentrums 2016 eines seiner Kernthemen. Nach der Publikation einer ersten Studie zum Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich am Oberrhein im Jahr 2015, wurde das Thema in die beiden von TRISAN koordinierten INTERREG-Projekte aufgenommen. Im Rahmen des ersten INTERREG-Projekts (Juli 2016 – Juni 2019) wurden Akteure aus den Bereichen der Aus- und Fortbildung über die Ausbildungsgänge im Nachbarland informiert. In diesem Zusammenhang wurde 2017 ein Seminar über die unterschiedlichen Ausbildungswege zur Krankenpfleger/in und 2018 ein Seminar über die Aus- und Fortbildungswege zum Physiotherapeuten/in in den jeweiligen Ländern organisiert.

Im aktuellen INTERREG-Projekt „Trinationaler Handlungsrahmen für eine grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung am Oberrhein“ (seit Dezember 2019) wurde bisher das oben genannte Seminar zur Attraktivität der Gesundheitsberufe veranstaltet und verschiedene vergleichende Informationsmaterialien zu Gesundheitsberufen und dem Medizinstudium in Deutschland, Frankreich und der Schweiz erarbeitet.

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