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Medizinisches Fachvokabular pauken… und dann ab zum Nachbarn

Nicht allein an der deutsch-schweizerischen Grenze überqueren Fachkräfte im Gesundheitsbereich tagtäglich Grenzen. Auch zwischen Frankreich und Deutschland ist Mobilität ein Thema: Die SHG-Kliniken Völklingen und das Institut de formation en soins infirmiers (Ifsi) in Saargemünd tauschen schon seit 2008 Studierende bzw. Auszubildende in der Pflege aus. Wir haben mit Dorothée aus Seltz im Elsass darüber gesprochen, wie sie sich auf ihren Aufenthalt in Völklingen vorbereitet hat und welche Erfahrungen sie im Nachbarland gemacht hat.

Dorothée aus Seltz im Elsass ist nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze aufgewachsen. Gründe nach Deutschland zu gehen, gab es damals in der Schulzeit schon einige: Die badische Küche (die sich von der elsässischen Küche im Übrigen kaum unterscheidet) kennt sie durch den ein oder anderen Restaurantbesuch im Nachbarland ebenso wie die Schwimmbäder auf der anderen Seite des Rheins und für einen Sommerjob ist sie sogar schon einmal täglich ins andere Land gependelt. Dass sie im Rahmen ihres Studiums der Krankenpflege auch einmal längere Zeit in Deutschland gelebt hat und so in den Krankenhausalltag im Nachbarland eintauchen konnte, verdankt sie einer gut funktionierenden Kooperation zwischen ihrer Hochschule, dem Ifsi in Saargemünd und den SHG-Kliniken in Völklingen.

In welchem Studienjahr hast du dein Auslandspraktikum in Völklingen absolviert?

Ich habe im  zweiten und dritten Jahr meines Studiums jeweils ein 5-wöchiges Praktikum in den SHG-Kliniken Völklingen absolviert. Beim ersten Mal hat es mir so gut gefallen, dass ich mich dazu entschlossen habe, im nächsten Jahr direkt wieder zu kommen. In den beiden Praxisphasen habe ich in unterschiedlichen Abteilungen gearbeitet: Zuerst in der Urologie und dann in der Kardiologie.

Wie wurdet ihr auf den Austausch vorbereitet? Hattest du im Vorfeld des Auslandsaufenthalts Bedenken oder Ängste?

Wir hatten ab dem ersten Studienjahr im Ifsi einen zusätzlichen Deutschkurs, in dem wir speziell medizinische Fachbegriffe gelernt haben. Deutschkenntnisse hatte ich schon aus dem Schulunterricht, in dem Kurs haben wir aber dann typische Situationen aus dem Krankenhausalltag in der Fremdsprache eingeübt. Das hat uns den Einstieg ins Praktikum enorm erleichtert. Unser Dozent aus dem Kurs hat uns dann auch im Praktikum in Völklingen besucht und hatte immer ein offenes Ohr. Bedenken hatte ich daher eigentlich keine – ich bin ja auch mit einer Gruppe aus meinem Jahrgang nach Völklingen gekommen und habe mich gut vorbereitet gefühlt.

Wie hat dir die Arbeit vor Ort gefallen? Hast du Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich erkennen können, zum Beispiel was die Arbeit im Krankenhaus oder die Ausbildung in der Pflege angeht?

Der Alltag im Krankenhaus ist in beiden Ländern manchmal etwas stressig. Bezogen auf die Arbeit habe ich daher nicht so große Unterschiede festgestellt – außer dass es zum Teil anderes medizinisches Material gibt. Was mir vielmehr aufgefallen ist, ist dass die Ausbildung zum Krankenpfleger in Deutschland ganz anders organisiert ist. In Frankreich ist es ein Studium, das mit dem Bachelor gleichwertig ist, in Deutschland eine Ausbildung. In Frankreich muss man einen concours (d.h. ein Auswahlverfahren) bestehen, um in den Studiengang der Krankenpflege aufgenommen zu werden, in Deutschland gibt es das nicht. Ganz konkret habe ich auch Unterschiede in der Ausbildungsordnung festgestellt. Das hat sich für mich darin geäußert, dass wir in Frankreich jedes Praktikum mit einem bestimmten Katalog an technischen Aufgaben validieren müssen. Die Kompetenzen, die im Rahmen eines Praktikums erworben werden, werden je nach Studienfortschritt definiert. Damit das Praktikum für das Studium anerkannt wird, hat meine Dozentin den Kompetenzkatalog auf Deutsch übersetzt. Sie war auch dabei, als mich meine Betreuer im Praktikum benotet haben, um sicherzustellen, dass es keine Verständnisprobleme gibt. Für mein französisches Zeugnis hat sie die deutsche Bewertung dann wieder auf Französisch übersetzt. Wenn ich diesen Sommer mein Abschlusszeugnis erhalte, wird darauf vermerkt sein, dass ich zwei Praktika in Deutschland absolviert habe.

Das klingt nach sehr viel Arbeit! Toll, dass deine Dozentin so engagiert ist! Wie war denn der Kontakt zu den Kollegen und Patienten in Völklingen? Wurdet ihr gut in das Team integriert?

Meine Kollegen waren jederzeit sehr offen und sie haben uns gut in ihr Team aufgenommen. Sie hatten auch sehr viel Geduld mit uns: Wenn wir einmal etwas nicht auf Anhieb verstanden haben, haben sie den Satz einfach umformuliert oder uns etwas praktisch anhand von Gegenständen gezeigt. Mit den gleichaltrigen Kollegen habe ich mich besonders gut verstanden. Mit einer Kollegin, die gerade einen Freiwilligendienst in der Klinik absolviert hat, habe ich mich sogar angefreundet und wir haben gemeinsam etwas in der Freizeit unternommen.

Der Kontakt mit den Patienten im Krankenhaus war besonders toll. Natürlich hört man auch immer noch einen leichten Akzent, wenn ich Deutsch rede (sie lacht). Wenn die Patienten festgestellt haben, dass ich Französin bin, haben sie immer sehr viel Interesse gezeigt und es hat ein richtiger Austausch stattgefunden. Einige Patienten waren sogar französischsprachig oder selbst Franzosen. Die wollten natürlich mit mir auf Französisch sprechen.

Wir bedanken uns bei Dorothée, dass sie sich die Zeit für dieses Interview genommen hat und wünschen ihr viel Erfolg für ihre Abschlussprüfungen und weiterhin tolle grenzüberschreitende Erfahrungen!

Wenn Sie mehr über die Bildungsgänge in der Pflege erfahren möchten, lesen Sie hier die von der deutsch-französisch-schweizerischen Oberrheinkonferenz und dem Euro-Institut veröffentlichte Studie zum Fachkräftemangel im Gesundheitswesen am Oberrhein.

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