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Interview zur Schweizer Ausbildungsoffensive in den Pflegeberufen und deren Umsetzung in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft
Niklaus Gygli ist Programmleiter Umsetzung Verfassungsartikel Pflege im Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Er informiert uns in diesem Interview über die Schweizer Ausbildungsoffensive in den Pflegeberufen und deren Umsetzung in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft.
TRISAN: Können Sie uns bitte erläutern, in welchem Kontext es in der Schweiz zur Ausbildungsoffensive gekommen ist und welche Ziele damit verfolgt werden?
Niklaus Gygli: Die Volksinitiative „Für eine starke Pflege“ (Pflegeinitiative) wurde im November 2021 vom Schweizer Stimmvolk angenommen, also während der COVID-19 Pandemie. Sie wurde vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen (SBK) lanciert und sollte Pflegeberufe attraktiver gestalten und die Möglichkeiten für die Ausbildung stärken. Der Bund hat sich entschieden, die Initiative in zwei Etappen umzusetzen und zuerst mit der Ausbildungsoffensive (erste Etappe) zu starten. Die zweite Etappe, welche aktuell im National- und Ständerat beraten wird, betrifft die Arbeitsbedingungen und das Berufsbild der Advanced Practice Nurse (APN). In der ersten Etappe geht es darum, mehr Personen für die Pflegeberufe zu gewinnen, und in der zweiten Etappe die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern.
TRISAN: Was beinhaltet die Ausbildungsoffensive und wie wird sie von den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft umgesetzt?
N.G.: Die Ausbildungsoffensive ist auf acht Jahre befristet, beginnend im Herbst 2024. Sie beinhaltet eine Bundesförderung, die über den Zeitraum 2024-2032 ca. 500 Millionen Franken entspricht. Diese wird von den Kantonen genutzt, um die Ausbildungsoffensive voranzutreiben. Dabei finanzieren die Kantone und der Bund in gleichen Anteilen die Ausbildung von Pflegenden. Die meisten Kantone fördern die geleisteten Ausbildungswochen einer Pflegeausbildung auf Tertiärstufe mit 300 Franken in den Institutionen, so auch die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.
Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft setzen die Pflegeinitiative gemeinsam im Rahmen ihrer gemeinsamen Gesundheitsregion um und fördern zusätzlich auch die Ausbildung für Fachpersonen Gesundheit (FaGe) [Pflegefachassistent*innen in Deutschland] mit rund 1800.- CHF pro Ausbildungsjahr in dem Betrieb. Diese ist eigentlich eine Ausbildung auf Sekundarstufe und wird vom Bund nicht gefördert. Da rund zwei Drittel der Fachpersonen Gesundheit im Anschluss an ihre Lehre eine Pflegeausbildung auf Tertiärstufe absolvieren sehen wir das als wichtige weitere Förderung. Im Tertiärbereich gibt es zwei Möglichkeiten, die Ausbildung zur Pflegefachperson zu absolvieren. Die eine geht über eine höhere Fachschule und die andere über eine Fachhochschule. Beide Abschlüsse qualifizieren zur Arbeit als Pflegefachperson in der Praxis. Die Fachpersonen Gesundheit arbeiten in den Betrieben unter Delegation einer Pflegefachperson.
Parallel dazu gibt es noch Förderungen für die Ausbildungsstätten, sprich die höheren Fachschulen und Fachhochschulen, die zusätzlich Projekte fördern, die darauf abzielen, den Mehrbedarf der Ausbildung besser zu bewältigen. Konkret bedeutet das beispielsweise Vorkurse für Lernende, die im Anschluss eine Tertiärausbildung absolvieren.
Parallel zu diesen Förderungen auf Institutionsebene gibt es noch Individualförderung für Personen, die eine Pflegeausbildung absolvieren. Wenn gewisse Kriterien erfüllt sind, fördern wir in Basel-Stadt und Basel-Landschaft eine Vollzeitausbildung in der Pflege mit 24.000 Franken pro Jahr und eine Teilzeitausbildung mit 18.000 Franken pro Jahr. Mit dem Ziel der Existenzsicherung gilt zusätzlich ein Ansatz von 10.000 Franken pro Jahr für jedes Kind, für welches die Studierenden betreuungs- oder unterstützungspflichtig sind. Damit wollen wir auch einen Quereinstieg in die Pflege ermöglichen.
Wir sehen, dass wir hier insbesondere Personen um etwa 30 Jahren ansprechen können. Es handelt sich somit um Personen, die Quereinsteigende sind oder eine Pflegeausbildung auf Sekundarstufe haben, einige Jahre gearbeitet haben, eine Familie gegründet und nun noch die Tertiärausbildung absolvieren möchten. Außerdem fördern wir auch Personen, die im Grenzgebiet in Deutschland oder Frankreich wohnen und ihre Ausbildung in der Schweiz absolvieren.
Das ist das Rahmenkonstrukt, das diese Ausbildungsoffensive in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft beinhaltet.
TRISAN: Haben Sie schon erste Ergebnisse feststellen können, dass mehr Personen für Pflegeberufe gewonnen werden konnten?
N.G.: Wir stellen bereits ein erfreuliches Wachstum fest: Von 2024 auf 2025 haben wir 5 % mehr Studierende und Lernende am gemeinsamen Campus Gesundheit der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Dort werden Gesundheitsberufe an der höheren Fachschule, der Fachhochschule und der Berufsfachschule Gesundheit ausgebildet. Wir sehen auch im aktuellen Jahr ein starkes Wachstum in den Studierendenzahlen.
Mit der Ausbildungsoffensive versuchen wir unseren Bedarf an Pflegepersonal in den beiden Kantonen bestmöglich decken zu können.
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