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Interview mit der Dolmetscherin Christina Parkin
TRISAN hat sich entschieden, heute die Perspektive der Dolmetschenden zu beleuchten.
Fachbegriffe, zahlreiche Abkürzungen, grundlegend unterschiedliche Gesundheitssysteme, ...: Es gibt viele Komponenten für eine erfolgreiche Übersetzung im Bereich der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Ein Gespräch mit Christina Parkin und ihrem Beruf hinter den Kulissen, der für das Verständnis und die Zusammenarbeit jedoch sehr wertvoll ist.
TRISAN: Christina, Sie sind eine der üblichen Dolmetscherinnen für die TRISAN-Veranstaltungen. Wie begann Ihre Dolmetscher-Karriere und seit wann dolmetschen Sie für TRISAN?
Christina Parkin: Als Dolmetscherin zu arbeiten war ein Kindheitstraum, der sich erstmal nicht hat realisieren lassen. Ich war zuerst für ein paar Jahre als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache in Straßburg tätig und bin in diesem Zusammenhang immer mal wieder mit Sprachmittlungssituationen in Kontakt gekommen. Dabei habe ich viel Lust bekommen, als zweiten Studiengang die Dolmetscherkarriere anzustreben. Ich habe erstmal die beiden Tätigkeiten kombiniert, und dann ausschließlich gedolmetscht. Über die Erwachsenenausbildung hatte ich viele Kontakte zu verschiedenen Branchen aufgebaut, besonders im Personalmanagement, das hat mir viel weitergeholfen. Mit TRISAN bin ich 2018 über die Oberrheinkonferenz in Kontakt bekommen.
TRISAN: Was sind die Herausforderungen und Schwierigkeiten der Dolmetschertätigkeit im Gesundheitsbereich?
C. Parkin: Zum einen sind es die unterschiedlichen Systeme im Gesundheitswesen, die auch von Dolmetschenden verstanden werden müssen. Da hilft die persönliche Erfahrung als Grenzgängerin natürlich, das gibt ein Bewusstsein für die Problematik. Besonders die Funktionsweisen der Krankenkassen sind ja sehr unterschiedlich. Zum anderen ist es die viele Terminologie; da hat die Verwaltung schon eine eigene Sprache entwickelt. Und schließlich gibt es ja sehr viele Abkürzungen, die es zu beherrschen gilt. Da helfen gute Rahmenbedingungen weiter: es ist sehr nützlich mit Menschen zusammen zu arbeiten, die es gewohnt sind, dass gedolmetscht wird.
TRISAN: Wie haben Sie als Dolmetscherin die Corona-Krise erlebt und was hat sich seitdem verändert?
C. Parkin: Vor der Corona-Krise hat man sich ja grundsätzlich in Präsenz getroffen und da haben die akustischen Rahmenbedingungen immer gepasst. Als dann die Corona-Krise eintraf mit den Kontaktbeschränkungen, gab es erstmal ein großes Schweigen, da uns wenige technische Mittel zur Verfügung standen und Simultanübersetzungen erstmal überhaupt nicht funktionierten. Bei den Redebeiträgen beim konsekutiven Dolmetschen, ohne Dolmetscherkanal, musste ich eine aktive Gesprächssteuerung umsetzen, d.h. die Redebeiträge an der richtigen Stelle unterbrechen, falls ich nicht mehr mitkam. Das war die besondere Herausforderung während der Corona-Zeit: die vielen Video-Schalten zu dolmetschen, die zum Teil recht lange dauerten, immer mit dem Stift in der Hand und dem Block davor. Auf der technischen Seite war die Tonqualität schwierig. In der zweiten Coronazeit-Hälfte haben die technischen Anbieter dann die Dolmetscherfunktion zur Verfügung gestellt, das hat es dann einfacher gemacht.
TRISAN: Wie bereiten Sie sich auf eine TRISAN-Veranstaltung vor?
C. Parkin: Das TRISAN-Team schickt mir ja im Vorfeld Unterlagen, die während der Sitzung behandelt werden. Außerdem haben wir zusammen mit meiner Kollegin eine recht umfangreiche Terminologie-Liste erstellt, die man bei Gebrauch nachgucken kann. Schließlich hilft die TRISAN-Webseite viel, mit umfassenden Informationen und einschlägigem Material zur Gesundheitsversorgung in der Oberrheinregion.
Es macht mir viel Spaß, für TRISAN zu dolmetschen. Dort werden Thematiken behandelt, die sehr weit in die Alltagswirklichkeit der Menschen im Grenzraum reichen, sodass ich auch einen kleinen Beitrag für diese grenzüberschreitende Integration leisten kann.
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