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Als Assistenzarzt Auslandsluft schnuppern

Wie wird der Krankenhausalltag im Nachbarland organisiert? Und wie sehen auf der anderen Seite der Grenze die Arbeitsbedingungen aus? All das sind spannende Fragen, für die es sich lohnt, über die Grenze zu schauen. Christine Scholz, die im Moment ihre Facharztausbildung in Offenburg absolviert und in Straßburg wohnt, ist so eine Grenzgängerin. Als Assistenzärztin hat sie ein Praktikum in Straßburg abgeleistet. Damit ist sie eine echte Pionierin, da es rechtliche Rahmenbedingungen bisher schwierig machen, einen Teil der Facharztausbildung im Ausland zu absolvieren.

Grenzgängerin mit Routine

Wieso nicht einmal etwas ausprobieren, was noch nie jemand gewagt hat? Für Christine Scholz, die ihr Medizinstudium gleich an zwei Orten, in Bochum und Straßburg, absolviert hat, ist das keine Frage, über die sie lange nachdenken muss. Sie ist Berufspendlerin zwischen Straßburg und Offenburg und daher eine routinierte Grenzgängerin: „Derzeit lebe ich in Straßburg, absolviere aber meine Weiterbildung als Anästhesistin in Offenburg und überquere mindestens zwei Mal am Tag die Grenze. Im Regionalzug, der die beiden Städte verbindet, begegne ich daher oft den gleichen Gesichtern“, erzählt sie uns lachend. Benötigt habe sie ein dreiwöchiges Praktikum ganz konkret für die Zusatzweiterbildung in der Notfallmedizin, die sie begleitend zu ihrer Facharztausbildung durchführt. „Der Grund, wieso ich ein Praktikum in Straßburg gesucht habe, war einerseits ganz praktisch: Ich lebe vor Ort – da ist es natürlich toll, wenn man ausnahmsweise einen kürzeren Anfahrtsweg hat. Zum anderen ist es für mich auch fachlich spannend, die Notfallmedizin in Frankreich kennenzulernen und ganz konkret zu erleben, was es für Unterschiede in der beruflichen Praxis im Nachbarland gibt.“

Unterschiedliche Arbeitsverhältnisse für Assistenzärzte in der Facharztausbildung

Angeregt klärt sie uns auf, wie die Organisation der Ausbildungssysteme von einem Land zum anderen divergiert. So wechseln beispielsweise die Assistenzärzte, die sich auf Französisch „médecins internes“ nennen, halbjährlich ihren Ausbildungsort, während das in Deutschland nicht unbedingt der Fall ist. Sie berichtet uns außerdem, dass es für jemanden, der plant, in der Facharztausbildung nach Frankreich zu gehen, wichtig ist zu wissen, dass sich die Arbeitsverhältnisse unterscheiden: In Deutschland sind die Ärztekammern für Assistenzärzte in der Weiterbildung zuständig. In Frankreich behalten die médecins internes dagegen in der Facharztausbildung ihren Studentenstatus, weshalb die Université diesen Teil der Ausbildung regelt.

Administrative Hindernisse überwinden: die Praktikumsvereinbarung

Genau dieser Umstand hat sich bei der Praktikumssuche als eine große Hürde herausgestellt. So hat die Uniklinik in Straßburg von ihr eine sogenannte convention de stage, das heißt eine Praktikumsvereinbarung verlangt, da diese in Frankreich obligatorisch ist und üblicherweise von der für die Ausbildung verantwortlichen Stelle, das heißt der Herkunftsuniversität ausgestellt wird. Knifflig ist das für Assistenzärzte aus dem deutschen System, für die die Universität nicht mehr zuständig ist, wie die Assistenzärztin uns erklärt: „Am Anfang war es nicht ganz klar, unter welchem Titel das Praktikum laufen sollte. Da für mich in der deutschen Facharztausbildung die Universität nicht mehr zuständig ist, konnte mir niemand die für die Franzosen notwendige convention de stage ausstellen.“ Durch einen glücklichen Zufall hat sie dann bei einer Konferenz zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Rettungsdienste die Projektleiterin von TRISAN kennengelernt, die für sie mit der Stabstelle der internationalen Beziehungen der Uni Straßburg Kontakt aufgenommen und den Praktikumsplatz vermittelt hat. Nach Ablauf des dreiwöchigen Praktikums zieht Christine Scholz ein sehr positives Fazit: „Das Praktikum war für mich sehr lehrreich und ich konnte es mir für meine Weiterbildung in der Notfallmedizin anrechnen lassen.“ Auch Anne Dussap, Projektleiterin von TRISAN, zeigt sich zufrieden über den Vermittlungserfolg. „Wir würden uns freuen, wenn sich in Zukunft noch weitere Assistenzärzte in Weiterbildung für ein grenzüberschreitendes Praktikum entscheiden und wir als Kompetenzzentrum dabei vermitteln können.“

Das Arbeitsverhältnis in der Facharztausbildung in Deutschland und Frankreich

Für erfolgreiche Absolventen des Medizinstudiums besteht in Deutschland die Möglichkeit, eine Weiterbildung zu absolvieren, um sich auf ein Fachgebiet der Medizin zu spezialisieren. In Deutschland erfolgt der Berufseinstieg als Assistenzarzt (bzw. Arzt in Weiterbildung AiW). Die angehenden Fachärztinnen und -ärzte befinden sich in dieser Zeit in einem Angestelltenverhältnis, das über die Ärztekammer geregelt ist. Anders ist es in Frankreich, wo die Facharztausbildung verpflichtend ist und die sogenannten médecins internes auch in der Facharztausbildung ihren Studentenstatus behalten.

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